10. Juni 2010
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10. Juni 2010
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Welche Manager sind die besseren Väter?

Von Dr. Claude Messner

Kategorie: Arbeitsmarkt
Die Pille hat in den 70-er Jahren die Sexualität verändert und wird demnächst die Wirtschaft verändern. Durch den Geburtenrückgang gibt es bereits in manchen Bereichen des Arbeitsmarktes einen Mangel an geeigneten Personen. So ist die Suche nach geeigneten Lehrlingen immer häufiger schwierig und in wenigen Jahren wird der Mangel an talentierten Fachkräften ein grosses Problem sein. Der Kampf um die Talente hat begonnen.

Geführt wird der Kampf derzeit mit zwei Strategien. Eine Strategie besteht darin, die Talente in den Arbeitsprozess zu integrieren, die bislang herausgefallen sind. So werden es Alte, Ausländer und Frauen in den nächsten Jahrzehnten leichter haben einen guten Job zu bekommen als in den vergangenen Jahrzehnten. Die andere Strategie besteht darin, mit attraktiven Arbeitsbedingungen um die verfügbaren Talente zu werben. Nur Arbeitgeber mit attraktiven Arbeitsbedingungen werden die Talente bekommen. Dadurch kommt es zu einer Humanisierung der Arbeit. Das Essen in den Kantinen wird besser, die Unternehmensphilosophie wird nachhaltig und die Arbeitsbedingungen werden den Bedürfnissen der Mitarbeitenden gerecht. Das wichtigste wird sein, dass ein Unternehmen nicht mehr nur einen Karriereplan hat, sondern Mitarbeitenden mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen und Biographien Karrieremöglichkeiten bieten. Momentan werden daher Konzepte diskutiert, die vor ein paar Jahren undenkbar waren. Profitieren können von dieser Entwicklung Väter und ihre Kinder.

Vermutlich gab es noch nie eine Epoche, in der sich die Väter so wenig um ihre eigenen Kinder gekümmert haben wie in den letzten 150 Jahren. Der finanzielle Druck und der Wunsch nach einer Karriere hatte zur Folge, dass viele Väter von der Entwicklung ihrer eigenen Kinder kaum etwas mitbekamen. Sie hatten erst dann wieder Zeit für ihre Kinder, wenn diese bereits ohne sie auskamen. Es gibt immer mehr Männer, die den Wunsch haben, Vaterschaft und Karriere zu verbinden. Und es gibt immer mehr Unternehmen, die nach Konzepten suchen, um für Väter ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Es gibt drei Probleme, die für eine Verbindung von Vaterschaft und Karriere zu lösen sind. Vaterschaft braucht Zeit, Geld und die Rolle einer Führungskraft muss mit der Rolle eines Familienvaters kompatibel sein.

Zeit

Für das Problem mit der Zeit gibt es bereits einige Lösungen. Einige Unternehmen entwickeln Lösungen, wie auch Personen mit Teilzeitbeschäftigungen die Möglichkeit zu einer Karriere oder zumindest zu einer herausfordernden Tätigkeit haben. In den meisten Fällen profitiert ein Unternehmen, das herausfordernde Tätigkeiten auch zur Teilzeit anbietet: Zum einen haben Teilzeitarbeitende für hidden actions (im Internet surfen, chatten, tratschen, etc.) meist keine Zeit und zum anderen sind Teilzeitarbeitende dankbar, wenn sie trotz der Teilzeit eine herausfordernde Tätigkeit haben. Teilzeitarbeitende mit herausfordernden Tätigkeiten arbeiten fleissig.

Neben der Teilzeit gibt es auch dynamische Zeitmodelle. Diese verfolgen die Idee, dass Mitarbeitende in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich viel arbeiten. Phasen exzessiver Arbeit wechseln sich ab mit Phasen der Teilzeit oder verlängerten Urlaub. Beispiele hierfür sind Jahresarbeitszeit, Fünfjahresarbeitszeit oder Sabbaticals.

Geld

Eine Teilzeit—vor allem des besserverdienenden Partners —scheitert häufig an den damit verbundenen finanziellen Einbussen. Das sind zum einen die aktuellen Einbussen des Lohns und zum anderen die Befürchtung, sich durch eine Teilzeit die Chance auf besser bezahlte Jobs zu verspielen. Eine Lösung können dynamische Arbeitszeitmodelle sein. Vor allem bedarf es einer Unternehmensphilosophie, die zumindest eine vorübergehende Teilzeit aktiv unterstützt. Bereits häufig gibt es Unterstützungen in Form von Vaterschaftsurlaub, Kinderzulagen, betriebliche Kindertagesstätten und ähnliches. Entscheidend ist jedoch eine Wertschätzung der Bereitschaft zur aktiven Vaterschaft. Teilzeit aufgrund einer Vaterschaft sollte eine Karriere eher dienen als ihr schaden.

Berufliches Rollenmodell vs Vaterrolle

Neben Zeit und Geld kann die Unterschiedlichkeit der Rolle des erfolgreichen Managers mit der Rolle als Vater ein Problem sein. Es ist nicht möglich sich zuhause ganz anders zu verhalten als im Beruf. Ein guter Vater versucht die Bedürfnisse seines Kindes zu verstehen und sucht nach Wegen, die Bedürfnisse des Kindes so zu transformieren, dass sie zu den Erziehungszielen passen. Ein Unternehmen, das für Väter attraktiv sein will, sollte keine direktive Unternehmenskultur haben, in der die Vorgesetzten immer Recht haben und sich für die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden nicht interessieren. Solche Manager kommen mit der Vaterrolle nicht zurecht. Tatsächlich ist jedoch ein guter Manager nicht direktiv. Vielmehr sind die Fähigkeiten eines guten Managers und eines guten Vaters nahezu identisch. Laut einer aktuellen Metaanalyse gibt es sieben Eigenschaften, die zu einer hohen Leistung führen. Ein guter Manager kann Probleme lösen, mit Stress umgehen, andere beeinflussen, sich um andere kümmern, gut kommunizieren, organisieren und planen und er hat Drive. Ein guter Vater hat exakt die gleichen Eigenschaften.

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Dr. Claude Messner: Dr. Claude Messner ist Universitätsdozent für Wirtschaftspsychologie an der Uni Basel. Aus seinen Forschungskooperationen mit INSEAD und Carnegie Mellon University sind international hochrangige Publikationen entstanden. Sein gutes Verständnis für aktuelle Fragen aus der Praxis verdankt er Kooperationen diversen Wirtschaftsunternehmen, wie PWC, Baloise, Credit Suisse, EKU, COOP Bank, Starbucks. Sein gutes Verständnis für die Rolle eines Vaters verdankt er seinem Sohn Luc.
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