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Suchwörter: "oder" "und" Ausgabe 07/2007

Autor:
Dr. Pascal Sieber,

hat in Bern im Bereich Wirtschaftsinformatik promoviert. Seit 15 Jahren befasst er sich mit der Wechselwirkung zwischen Informations- und Kommunikations - technologien und den Strategien, der Organisation und dem Verhalten von Anwendern. Er berät mit seinem Team der Dr. Pascal Sieber & Partners AG unter anderem Unternehmen und Verwaltungen bei der Beschaffung und der Umsetzung von Informatik- und Telekommunikations - mitteln. Dabei konzentriert sich das Angebot auf die gute Anwendung leistungsfähiger Technologien für optimale Führung und Zusammenarbeit. Vor zwei Jahren gründete er eine Tochterfirma, das Schweizerische Produktivitätsinstitut, bei dem der Fokus auf Produktivitätssteigerung von Wissensarbeitern liegt.
Schweizerisches Produktivitätsinstitut
Das Schweizerische Produktivitätsinstitut kümmert sich um die Produktivität von InformationsarbeiterInnen. Mit Assessments, Trainings und der Begleitung von Projekten zur Einführung und Umsetzung moderner Informations- und Kommunikationslösungen verbessert das Institut die Anwenderkompetenz und steigert so die Produktivität ganzer Organisationen. www.ipch.ch
Produktiver Arbeiten mit
E-Mail
Bild Produktiver Arbeiten mit E-Mail

Von Dr. Pascal Sieber, Geschäftsführer des Schweizerischen Produktivitätsinstituts IPCH.ch

In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der Hilfsmittel am Arbeitsplatz von Team-Leaders, ProjektleiterInnen, Informations- und WissensarbeiterInnen enorm angestiegen. Die elektronische Post (E-Mail) ist eines dieser Hilfsmittel. 1996 glaubten noch weniger als 10% der Schweizer UnternehmerInnen, dass sie E-Mail je als geschäftliche Anwendung einsetzen würden. Heute arbeiten 60% aller Schweizer Erwerbstätigen täglich zu geschäftlichen Zwecken mit E-Mail dafür wird enorm viel Zeit eingesetzt, und dies nicht immer zum Besten für die Produktivität aller Beteiligten. Wie sie ihre Produktivität steigern können zweigt der folgende Beitrag anhand eines Beispiels. Ihre individuelles Assessment können sie kostenlos beziehen unter:www.produktive-schweiz.ch

Enormes Produktivitätspotential durch Vermeidung von Ping-Pong

Einerseits steigert E-Mail die Produktivität, weil viel schneller Nachrichten verschickt werden können, als mit jedem anderen Hilfsmittel. Andererseits mindert E-Mail die Produktivität, weil viele unnötige Nachrichten verschickt werden. In der Praxis entsteht ein Ping-Pong ähnlicher Effekt: E-Mails lösen Rückfragen, Weiter-leitungen, Abwehrreaktionen und vieles mehr aus. Das Schweizerische Produktivitätsinstitut hat auf der Basis von Studienresultaten ein einfaches Simulati-onsmodell erstellt. Es bezieht die Effizienz im Umgang mit den E-Mail-Tools, den genannten Ping-Pong-Effekt sowie eine Reihe von quantitativen Grössen mit ein. Die Simulation zeigt: Der effiziente Umgang mit den E-Mail-Tools ist zwar wichtig für die Produktivität aber nicht entscheidend. Es ist im Gegenteil nicht immer produktiv, wenn noch schneller E-Mails verschickt werden können. Der entscheidende Faktor für die E-Mail-Produktivität ist der Ping-Pong-Effekt. Je besser es gelingt, jede Nachricht so zu schreiben, so zu adressieren und im richtigen Zeitpunkt zu versenden, dass keine oder möglichst wenig Rückfragen, Weiter-leitungen, Abwehrreaktionen, zeitlich stark verzögerte Antworten oder gar keine Antworten entstehen, desto produktiver können die ManagerInnen, Informations- und WissensarbeiterInnen ihre Aufgaben erledigen.

Mit der Simulation lässt sich das Produktivitätspotenzial 1 durch Verbesserungen im Umgang mit E-Mail schätzen:
In der Schweiz beträgt das Produktivitätspotenzial 8,55 Millionen Stunden pro Woche oder 26,7 Milliarden Franken pro Jahr 2 . Für ein Team mit 12 MitarbeiterInnen beträgt das maximale Potenzial 3‘909 Stunden oder 500 Arbeitstage. Pro Person ist dies fast ein Monat, der im schlimmsten Fall jedes Jahr allein für den unproduktiven Umgang mit der E-Mail verloren geht. 3

Selbstmanagement und Team-Management führt zum Erfolg

Als besonders wichtig erscheint das Wort „Management“ im Zusammenhang mit der Anwendung von E-Mails in Organisationen. Genau wie bei anderen Hilfsmitteln kann die Produktivität durch Wissen, Motivation und die geschickte Organisation enorm gesteigert werden.
Der Einsatz von E-Mail erfordert von jedem Einzelnen, dass er oder sie sein Handeln (E-Mails schreiben) überprüft. Der einzelne muss erkennen, was er oder sie beim Empfänger auslöst. Dabei können zwei As-pekte unterschieden werden:
  • ManagerInnen und MitarbeiterInnen müssen das E-Mail-System bedienen können, um zu kommu-nizieren. Bereits dabei gibt es nach den Studienergebnissen 4 enorme Unterschiede zwischen den Studienteilnehmern. Die einen sind problemlos in der Lage, bis zu 300 E-Mails pro Tag zu verschi-cken, andere wollen und/oder können nur einen Bruchteil davon in ihren Computer tippen.

  • Nachrichten hin und her zu schicken, ohne ein Verständnis dafür zu haben, wie beschäftigt ein Ko-operationspartner ist, führt sehr oft zu Missverständnissen und Barrieren in der Zusammenarbeit. Ein E-Mail-Empfänger ist im Gegensatz zur Kommunikation über Telefon nie besetzt. Jeder muss aber sehen können, ob der Empfänger einer Nachricht überhaupt in der Lage ist, diese sorgfältig genug zu bearbeiten. Sonst verstopft die Nachricht nur unnötig die Kommunikationswege und die Koordinationskosten steigen unnötig. Die Menschen müssen deshalb Methoden beherrschen, um sich und ihre Arbeit sichtbar zu machen, damit ihre Teamkollegen daran anknüpfen können und ef-fiziente und effektive Zusammenarbeit entstehen kann.
Das effiziente Bearbeiten und Verwalten von E-Mails dient in erster Linie der persönlichen Produktivität jedes Einzelnen. Ein Zeitgewinn wird erreicht, indem der Bearbeitungsprozess schneller geht, das Finden von empfangenen E-Mails reibungsloser erfolgt und der Kontext jeder Nachricht berücksichtigt werden kann.

Das wirkungsvolle Schreiben von E-Mails zielt in erster Linie auf die Produktivität des Empfängers. Der Sender muss erkennen, dass er für die E-Mail-Flut verantwortlich ist. Weil aber jeder sowohl Sender als auch Empfänger ist, können Teams nur als Kollektiv für die Produktivität in der E-Mail-Kommunikation sorgen. Indem der Sender die E-Mail so schreibt und strukturiert, dass der Empfänger schnell versteht, was von ihm verlangt wird, trägt der Sender zu dessen Produktivität bei. Indirekt unterstützen klar formulierte E-Mails aber auch den Sender, weil keine Rückfragen nötig sind und Aufgaben termingerecht erledigt werden. Die für alle Seiten aufwändige Ping-Pong-Kommunikation kann vermieden werden.

In diesem Sinne liegt die Verantwortung für die Schaffung einer effizienten E-Mail-Kultur beim ganzen Team. Die Grundregeln der E-Mail-Kommunikation sind eine Stütze für den Arbeitsalltag. Sie schützen aber nicht vor unsinniger Kommunikation. Dagegen hilft eine gute Portion Pragmatismus: Wenn sich Team-Mitglieder gegenseitig sofort auf unverständliche, zu lange und unnötige E-Mails aufmerksam machen, haben sie die Chance, in kurzer Zeit gemeinsam eine produktive E-Mail-Kultur zu entwickeln. Man darf also zurück schreiben: „Bitte kürzer und klarer!“.

Case Study: Peter Muster – ein typischer Team-Leader

Die E-Mail ist ein Hilfsmittel zur Kooperation und Koordination. Was immer koordiniert werden soll, es sind mehrere Menschen mit unterschiedlichen Rollen beteiligt.

Wir unterscheiden zwischen vier Rollen:
  • Sachbearbeiter: Sie erledigen vordefinierte Aufgaben. Ihr Interesse an der Kooperation ist begrenz. Sie wollen ihre Arbeit produktiv erledigen.
  • Integratoren: Sie erledigen Aufgaben, die nicht gut strukturiert werden können. Der Team-Leader gibt ihnen Ziele vor, worauf sie mit ihrer Expertise einen Weg dazu finden. Sie sind an der Kooperation interessiert, damit sie alles vorhandene Wissen in ihre Überlegungen einbeziehen können. Beispiele sind Programmierer, das Human Ressources Team, Mitarbeiter der Geschäftsentwicklung, Verkäufer etc.
  • Experten: Sie werden mit einer Fragestellung betraut und entwickeln dazu eine Meinung und beraten ihre internen und externen Auftraggeber. Experten sind an der Kooperation nur bedingt interessiert. Sie wollen mit ihrem eigenen Netzwerk möglichst produktiv arbeiten. Beispiele sind Gutachter, externe Berater.
  • Team-Leader und Manager: Sie haben die Aufgabe, eine Gruppe von Menschen zu einem Ziel zu begleiten. Ihr Interesse an guter Zusammenarbeit ist sehr gross. Neben der Expertise in ihrem Team ist die Zusammenarbeit ein wichtiger Erfolgsfaktor. Beispiele sind Projektleiter, Abteilungsleiter und auch Geschäftsleitungen.

Am Beispiel des Team-Leaders und Managers manifestiert sich das Produktivitätspotential durch gutes E-Mail-Management am stärksten.

Gelingt es dem Team-Leader, sein Team zu produktivem E-Mail-Management zu bewegen, gewinnt nicht nur jeder einzelne, sondern das gesamte Team. Der Team-Leader selbst profitiert übermässig, denn bei ihm/ihr konzentrieren sich andernfalls alle Un-Produktivitäten.
Im Folgenden nehmen wir einen Team-Leader, nennen wir ihn Peter Muster.

So setzt Peter Muster die E-Mail heute ein:
  • Er bearbeitet täglich während 1 bis 2 Stunden seine E-Mails und nutzt E-Mail zur Informationsvertei-lung, zur Delegation und bedingt auch zur Kontrolle des Arbeitsfortschritts in seinem Team. Er kommuniziert zu 50% im Team und zu 50% mit Externen.
  • Seine Zielerreichung ist stark abhängig von der Arbeit, die sein Team abliefert.
  • Seine Aufgaben sind nur schlecht strukturiert, er bestimmt in hohem Mass selber, wie gearbeitet wird.
  • Peter Muster muss gleichzeitig viele Kontakte pflegen und es fällt ihm nicht immer leicht in einem E-Mail den richtigen Ton zu treffen und seine Anliegen so zu formulieren, dass der Empfänger schnell und sicher versteht, was von ihm verlangt ist.
  • Entsprechendaufwändig ist für ihn das Bearbeiten von E-Mails. Zu viele E-Mails sind nicht 100% verständlich. Er muss oft selber entscheiden, ob etwas wichtig ist oder nicht.
  • In seiner Mail-Box herrscht eine ziemliche Unordnung. Peter Muster war gerade zwei Tage auf Geschäftsreise und sollte dringend ein Dokument frei geben. Das E-Mail mit der aktuellsten Version ist irgendwo in seiner In-Box. Er findet es aber nicht auf Anhieb, weil er viele E-Mails mit demselben Verteiler noch nicht gelesen hat. Er stellt erst jetzt fest, dann in den letzten zwei Tagen im Team eine Diskussion über eben dieses Dokument stattgefunden hat. Er braucht fast eine halbe Stunde, um endlich zu erkennen, wie er seinen Beitrag zum Dokument leisten kann.
  • In der Firma von Peter Muster gibt es keine E-Mail-Richtlinien. Jeder organisiert seine E-Mails wie er/sie es für richtig hält.
  • Peter Muster steht neben E-Mail auch eine Instant-Messaging-Lösung zur Verfügung, die aber im Team nicht genutzt wird. Zudem hat das Team eine gemeinsame Datenablage, die aber nur intern genutzt werden kann. Im Team arbeiten aber auch zwei Externe mit. Sie haben keinen Zugriff auf die Datenablage und werden deshalb per E-Mail bedient.

Peter Muster erreicht im E-Mail-Assessment mit diesem Verhalten eine Punktzahl von 35%. Er kann seine Produktivität und jene seines Teams also noch erheblich steigern.

Peter Muster erreicht im E-Mail-Assessment mit diesem Verhalten eine Punktzahl von 35%. Er kann seine Produktivität und jene seines Teams also noch erheblich steigern.

Dazu gibt ihm das E-Mail-Assessment zusammenfasst die folgenden Tipps:

Zu jedem dieser 6 Punkte bietet das E-Mail-Asssessment eine klare Handlungsempfehlung.

>> Ausführliches Assement-Ergebnis mit sämtlichen Tipps
(pdf, 92kb)

>> 10 E-Mail Tipps und Tricks zu einer effizienteren E-Mail Nutzung
(pdf, 260kb)

Anmerkungen

  • Mit Produktivitätspotenzial meinen wir lediglich, dass eine Arbeitsleistung für etwas anderes eingesetzt werden könnte als für ungeschickt gestaltetes E-Mailen. Wenn das Potenzial im Verkauf genutzt wird, entfaltet das Produktivitätspotenzial eine vielfache Wirkung. Wird das Produktivitätspotenzial nicht genutzt, entfaltet es auch keine Wirkung in der Organisation.zurück
  • Berücksichtigt ist nur die geschäftliche Anwendung von E-Mail. Anhand von Experimenten und Pilotprojekten konnten wir zeigen, dass der Ping-Pong-Effekt in einem Team im Vergleich zum Durchschnitt dieser Untersuchung um 50% vermindert werden kann. Die 50%ige Minderung wurde in die Simulation einbezogen. Andere Parameter für die Simulation sind: Jahresarbeitszeit = 1920 Stunden; durchschnittliche Personalkosten pro Stunde = 65 Schweizer Franken; Anzahl Erwerbstätige in der Schweiz = 3,5 Millionen; Anteil ManagerInnen, Informations- und WissenarbeiterInnen = 60%.zurück
  • Die genauen Zahlen im Einzelfall hängen davon ab, wie derzeit mit E-Mail im Team respektive im Unternehmen umgegangen wird. Ist bereits eine produktive E-Mail-Kultur etabliert, ist das Produktivitätspotenzial Null. Ist die E-Mail-Kultur zufällig entstanden, liegt das Potenzial in der
    genannten Grössenordnung.zurück
  • Die Publikation ist unter folgender URL verfügbar:
    http://shop.pascal-sieber.ch/shop/de/katalog.asp?parentkatID=3892
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