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Porträt Marc Zahn
Autor:
Marc Zahn ,
war zuletzt Leiter Marketing & Sales der SWX Swiss Exchange und deren Tochtergesellschaft virt-x. Seit Gründung der Börse Scoach Schweiz AG und Scoach Europa AG bekleidet er das Amt des CEOs und des Sprechers. Der verheiratete Schweizer startete seine berufliche Karriere bei der Credit Suisse als Verantwortlicher des kommerziellen Kreditgeschäftes für UK, Irland und Südafrika. Danach verbrachte er vier Jahre in den USA, wo er die Marketing-, Service- und Verkaufsorganisation von Mettler-Toledo aufbaute.
Scoach
Die neue europäische Börse für strukturierte Produkte. Die SWX Group und die Deutsche Börse AG gründete im Jahr 2006 ein neues Joint Venture für strukturierte Produkte. Im Januar 2007 wurde der Betrieb der gemeinsamen Börse unter den Markennamen «Börse Frankfurt Smart Trading» für Deutschland und «SWX Quotematch» für die Schweiz aufgenommen. Seit September 2007 firmiert das Joint Venture von SWX Group und Deutsche Börse unter einem gemeinsamen Namen «Scoach». Die gemeinsame Börse betreibt Handelsplätze in Frankfurt für Deutschland und die EU-Länder sowie Zürich für die Schweiz.
www.scoach.de
Nächste Generation: BRIC - Investieren in Emerging Market Zertifikate Emerging

In Kooperation mit Competence Site

Von Marc Peter Zahn, CEO und Vorstandssprecher, Scoach Europa AG

Nach BRIC sorgt eine neue Generation von Schwellenländern für Furore. Mit Zertifikaten lässt sich auf die Aufsteiger setzen. Die Vielfalt an Produkten ist groß. Allein schon deshalb sollten Berater im Kundengespräch auf die Besonderheiten von Emerging-Markets-Zertifikaten hinweisen.

Italien, Frankreich und Großbritannien wurden bereits überholt. In diesem Jahr, da sind sich die Volkswirte weitgehend einig, ist Deutschland an der Reihe. Die Rede ist vom rasanten Aufstieg Chinas. Das Reich der Mitte dürfte 2007 die Bundesrepublik als drittgrößte Wirtschaftsnation ablösen. Einer, der das vorhergesehen hat, ist Jim O’Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs und Erfinder des legendären BRIC-Konzepts (siehe auch Interview).

Der ökonomische Triumphzug von Brasilien, Russland, Indien und China (kurz BRICs genannt), davon ist O’Neill überzeugt, liefert nur einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Schon hat die nächste Generation von Wachstumsstaaten aus der einstigen Dritten Welt zum großen Sprung nach vorne angesetzt. Wahlweise werden sie als die „Nächsten 11“ (N-11), „3rd Wave“ oder als „Mighty Cats“ (in Anlehnung an Begriffe wie Tiger-, Panther-, Löwen- oder Jaguar-Staaten) bezeichnet. Länder wie Mexiko, Vietnam, Nigeria, Indonesien oder Ägypten, so der Konsens, werden früher oder später auf Augenhöhe mit den westlichen Industrienationen stehen.

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  • Emerging-Markets-Zertifikate sind aufgrund der überdurchschnittlichen Gewinnchancen eine attraktive Depotergänzung.
  • Die steigende Produktvielfalt fordert Vermögensberater: Für eine erfolgreiche Depotstrategie muss die Ausgestaltung von Schwellenmarkt-Zertifikaten genau berücksichtigt werden.
  • Qualitätskriterien sind zum Beispiel der Grad der Diversifikation, die Marktnähe des Basiswerts, die Anrechnung der Dividende und die Gebührenstruktur.

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Abteilung Attacke

Solche Perspektiven locken Anleger in Scharen in die Emerging Markets. Egal ob in Kairo, Lima, Kapstadt oder Manila – die Aktienkurse an den Börsenplätzen der Schwellenländer schossen in den vergangenen Jahren in spektakuläre Höhen. Kein Wunder, dass Emerging-Markets-Zertifikate boomen. Dank der ständig wachsenden Zahl an Produkten kann der deutsche Privatanleger sein Geld mittlerweile in Ländern wie Kasachstan, Peru oder Marokko für sich arbeiten lassen. Die weißen Flecken auf der Zertifikate-Weltkarte sind rar geworden. Für die Vermögensberatung ist die Vielfalt an Emerging-Markets-Produkten Chance und Herausforderung zugleich. Chance deshalb, weil sich damit die „Abteilung Attacke“ von Kundendepots gezielt stärken lässt. Die Herausforderung liegt darin, dass das Portfolio-Management anspruchsvoller geworden ist. Die Strukturen von Schwellenmarkt-Zertifikaten sind häufig auch für Profis nicht so leicht zu durchschauen.

Weitblick gegen Volatilität

Die mit Abstand häufigste Produktgattung, wenn es um Anlagen in Emerging Markets geht, ist der Index-Tracker.
Auf den ersten Blick ist ein Index-Zertifikat ein transparentes Partizipationspapier. Der Teufel liegt jedoch im Detail. Als Problem kann sich beispielsweise das Hedging durch den Emittenten erweisen. In Schwellenländern sind die Kapitalmärkte meistens mit einer geringen Liquidität ausgestattet, was die Abbildung entsprechender Basiswerte erschwert. Hinzu kommt, dass in vielen Exoten-Börsen restriktive Kapitalmarktgesetze den Handel beschränken. Die direkte Folge für den Zertifikate-Käufer sind dann überdurchschnittlich hohe Produktspreads, die je nach Zielregion schon mal bis zu fünf Prozent betragen können. Im Extremfall muss der Handel komplett ausgesetzt werden.

Aus dem Gefahrenherd „Handelbarkeit“ ergeben sich zwei Konsequenzen: Erstens sollte für Zertifikate der Emerging-Markets-Staaten der „nächsten Generation“ ein möglichst langfristiger Anlagehorizont mitgebracht werden, was übrigens auch mit Blick auf die meist hohen Volatilitäten in den jüngsten Wachstumsmärkten sinnvoll ist. Folglich sind Open-End-Tracker (ohne Laufzeitbegrenzung) Produkte vorzuziehen, die nur eine kurz- oder mittelfristige Laufzeit aufweisen. Zweitens schadet es nicht, sich gleichende Produkte auf den Spread (Unterschied zwischen Zertifikat-Geld- und Zertifkat-Briefkurs) hin zu vergleichen.

Klumpenrisiken vermeiden

Was auch bei Anlagen in Emerging-Markets-Trackern beachtet werden sollte, ist die Zusammensetzung des Basiswerts. Grundsätzlich kann es sich dabei um einen Index oder einen vom Emittenten konstruierten Basket handeln, wobei in beiden Fällen zwischen passiv und aktiv gemanagten unterschieden werden muss.

Gewaltige Ambitionen

Zertifikate auf Leitindizes haben gewöhnlich den Vorteil, dass das Land breit abgebildet wird. Dass dies nicht immer so sein muss, zeigt das von der Wiener Börse berechnete Russlandbarometer RDX, das mit lediglich zwölf Index-Mitgliedern und einem Anteil von Rohstoff-Aktien von rund 85 Prozent auch als verkappter Commodity-Index durchgehen könnte.

Solche Klumpenrisiken sind bei Emerging-Markets-Zertifikaten häufiger anzutreffen. Sie treten immer dann auf, wenn einzelne beziehungsweise wenige Titel oder Branchen den Index dominieren. Im Chilenischen Leitindex Inter-10 kommen zum Beispiel drei Mitglieder auf einen Anteil von mehr als 70 Prozent, wobei zwei davon aus der gleichen Branche stammen. Beim Produkt-Check sollte man daher Wert darauf legen, dass das Gewicht einzelner Aktien im Basiswert auf ein sinnvolles Niveau begrenzt ist, wobei eine regelmäßige, möglichst unterjährige Anpassung der Gewichtung die Qualität des Underlyings noch erhöht.

Apropos Anpassungen: Auch die Zusammensetzung des Basiswerts sollte durch den Emittenten beziehungsweise Indexbetreiber regelmäßig überprüft und gegebenenfalls neu in Stellung gebracht werden. Gerade in Wachstumsländern verändern sich die wirtschaftlichen Strukturen in einer enormen Dynamik. Umso wichtiger ist eine zeitnahe Abbildung des Marktes, was nur durch eine regelmäßige Reallokation machbar ist. Starre Index- beziehungsweise Basket-Strukturen altern dagegen sehr schnell.

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5 Tipps für Investitionen in
Emerging-Markets-Zertifikate


  • Tipp 1: Die Laufzeit sollte zum Anlagehorizont des Käufers passen. Bei Open-End-Produkten ist dieses Kriterium in jedem Fall erfüllt.
  • Tipp 2: Auf Marktnähe Wert legen. Basiswerte, bei denen keine regelmäßige Anpassung der Zusammensetzung vorgenommen wird, können schnell veralten.
  • Tipp 3: Der Basiswert sollte so konstruiert sein, dass Klumpenrisiken möglichst gering bleiben. Das gelingt über eine breite Streuung und eine Begrenzung der Gewichtung.
  • Tipp 4: Bei (nahezu) identischen Produkten ist ein Kostenvergleich anzustellen. Kostenkomponenten sind der Spread, die Management- beziehungsweise Verwaltungsgebühr und gegebenenfalls eine Performancegebühr.
  • Tipp 5: Fast alle Schwellenland-Zertifikate sind Non-Quanto-Produkte. Daher gilt: Wechselkursrisiken beachten.

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Was mit den Dividenden passiert

Ein weiteres Qualitätsmerkmal leitet sich von der Frage ab, ob es sich beim Basiswert um einen Performance- oder um einen Kursindex handelt. Ein wichtiger Punkt, denn in Emerging Markets spielen häufig ausschüttungsfreudige Rohstoff-Konzerne eine bedeutende Rolle. Durch die Reinvestition der Dividenden in den Basiswert kann der eine oder andere Prozentpunkt an Return zusätzlich eingefahren werden. Wenn man sich nicht sicher ist, ob Dividenden angerechnet werden, hilft meistens ein Blick in den Verkaufsprospekt oder ein Anruf beim Emittenten. Der ideale Schwellenmarkt-Tracker verfügt somit über eine unbegrenzte Laufzeit, deckt die Zielregion gut diversifiziert ab, unterliegt regelmäßigen Anpassungen sowohl hinsichtlich der Gewichtung als auch der Zusammensetzung und rechnet Dividenden an. Natürlich dürfen die Kosten nicht außer Acht gelassen werden. In der Regel wird bei „Exoten“-Zertifikaten eine jährliche Verwaltungsgebühr erhoben, vor allem wenn der Basiswert

Emerginmarkets

In den zurückliegenden fünf Jahren haben die Aktienmärkte der Emerging Markets, zusammengefasst im MSCI Emerging Markets Index, die Weltbörsen (MSCI-Welt-Index) deutlich überflügelt.


aktiv gemanagt wird. Bei der Produktauswahl sollte die Devise daher lauten: Vergleichen und abwägen.

Rückzahlung garantiert

Immer beliebter werden seit geraumer Zeit Schwellenmarkt- Zertifikate mit Kapitalschutz oder Sicherheitspuffer (zum Beispiel Garantie- oder Bonus-Zertifikate). Sie eliminieren beziehungsweise reduzieren das Verlustrisiko, jedoch erst bei Fälligkeit. Während der Laufzeit können auch vollständig kapitalgeschützte Papiere (deutlich) im Minus notieren, etwa wenn der in der Struktur enthaltene Zero-Bond aufgrund von steigenden Zinsen Kursverluste erleidet. Das eigentliche Dilemma von vielen Garantie-Zertifikaten ist jedoch, dass die Partizipation nach oben eingeschränkt ist. Ein Widerspruch, da es gerade die überproportionalen Gewinnchancen sind, die Schwellenländer erst interessant machen. Um böse Überraschungen nach dem Kauf von Deep-Barrier- oder Kapitalschutz-Zertifikaten zu vermeiden, sollte daher zuvor genau das Auszahlungsprofil analysiert werden.

Fazit:

Emerging-Markets-Zertifikate sind grundsätzlich eine sinnvolle, strategische Portfolio-Beimischung, mit der sich vom enormen Kapitalmarktpotenzial aufstrebender Volkswirtschaften profitieren lässt. Allerdings wird diese Chance durch erhöhte Risiken erkauft, etwa in Form politischer und wirtschaftlicher Instabilitäten. Daher sollte der Depotanteil von entsprechenden Investments zum Risikoprofil des Anlegers passen. Last but not least kommt auch der Ausgestaltung von Next-Generation-Anlagen eine besondere Bedeutung zu. Oder anders ausgedrückt: Ein gesundes Fundament garantiert zwar keine Gewinne, es verbessert aber die Erfolgsaussichten.

„Dieser Artikel wurde im Rahmen einer Kooperation mit freundlicher Genehmigung von der competence-site.de zur Verfügung gestellt.“



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